Brahmsstraße

Kurze Geschichte einer langen Straße

Die heutige Brahmsstraße verläuft zwischen und parallel zu den Hauptstraßen Friedrich-Ebert-Straße im Süden und der Wilhelmshofallee im Norden von der Jentgesallee bis zum Moerser Platz. Der kurze erste Teil zwischen der Jentgesallee und dem Dürerplatz ist als Allee gestaltet und bildet eine Achse mit dem östlich der Jentgesallee beginnenden Heydweillerweg (s. Karte1 ).

Der Verlauf der Brahmsstraße Der Verlauf der Brahmsstraße vom Moerser Platz (links)
bis zur Jentgesallee

Wieso sind von den ca. 800 m der Brahmsstraße 100 m als gerade Allee gestaltet, während der übrige Verlauf der Straße in Breite und Führung recht unterschiedlich verläuft? Zufall oder historische Reminiszenz? Tatsächlich ergibt ein Blick in die Bebauungsgeschichte des Bismarckviertels eine Erklärung für diese Eigenart. Dabei lassen sich zudem noch einige interessante Details über die historischen Häuser an der Brahmsstraße finden.

Der älteste Hinweis auf die Brahmsstraße findet sich auf einem Plan des Bismarckplatzes von 19002. Hier sind die Planungslinien einer noch unbenannten Straße zu erkennen, die geradlinig von der Roonstraße aus die Hohenzollernstraße kreuzend auf den Moerserplatz zulaufen, also fast der späteren Brahmsstraße entsprechen. Eine Bebauung längst der Planungslinien ist natürlich noch nicht zu erkennen, lediglich Häuser der östlichen Seite der Hohenzollernstraße sind bereits einge-zeichnet. Es ist anzunehmen, dass dies nach dem „Preußischen Fluchtliniengesetz vom 2.7.1875 angefertigt wurde . Das Fluchtliniengesetz „… gab zusammen mit der Anlage der städtischen Kanalisation den Gemeinden, deren Bebauungspläne bisher durch Kabinettsordre festgestellt waren, die Möglichkeit, die ordnungsmäßige Bebauung von größeren, außerhalb der geschlossenen Ortschaften gelegenen Grundstücken in die Wege zu leiten. Dem Fluchtliniengesetz gemäß bedeutete dieses Verfahren, Straßen und Plätze anzulegen und wohl zu dimensionieren, den Bauherrn hinter die Fluchtlinien zurückzuweisen und die aus dem Verfahren entstehenden Kosten auf die Anlieger abzuwälzen.“ 3

Bebauungsplan aus dem Jahre 1901 Bebauungsplan aus dem Jahre 1901

Die Entscheidung, eine Brahmsstraße einzurichten, fiel erst in der Sitzung des Rates der Stadt Krefeld am 15.10.1905 unter Tagesordnungspunkt 154. Man beschloss, ein Musikerviertel nordöstlich der Bismarckstraße einzurichten und dabei auch den Namen des Komponisten Johannes Brahms zu berücksichtigen.

Der Plan, ein Musikerviertel entstehen zu lassen, hat mit einer bestimmten Idee von Stadtentwicklung zu tun, die in Krefeld angewendet wurde, nämlich der Idee einer so genannten „Quartierbildung“. D.h. man war bemüht „über die Straßenbenennung den neu entstehenden Vierteln verwandte, wenn auch nicht festgeschriebene Namen zu geben, die in der immer größer werdenden Stadt Orientierung erleichtern konnten.5“ Dass der erst wenige Jahre vor diesem Ratsbeschluss verstorbene Johannes Brahms (gest. 1897) schon berücksichtigt wurde, liegt daran, dass Brahms mit den bedeutenden und einflussreichen Krefelder Familien von Beckerath und von der Leyen befreundet war und mehrfach in Krefeld gastierte.

Ebenfalls geleitet von der Idee der Quartierbildung beschloss man in der besagten Ratssitzung, einen Platz im Musikerviertel einzurichten, nämlich den Platz „0 23“. Er sollte dann künftig „Brandenburgplatz“ heißen und das Areal der Nordseite der Brahmsstraße zwischen heutigem Dürerplatz und der Roonstraße mit der nördlichen Begrenzung durch die Richard Wagnerstraße umfassen. Der Hintergedanke war: Es sollte mit dem „Brandenburgplatz“ im Sinne der Quartierbildung ein Pendant geschaffen werden zum Moerser- und Grafschafterplatz, die an ehemalige Herren Krefelds – nämlich die Grafen von Moers – erinnern. Nun wollte man mit dem neuen Platz an die preußische Herrschaft der Brandenburger erinnern. Da die Roonstraße bereits seit 1891 im Zuge der Quartierbildung „Bismarck-Moltke-Roon“ existierte und dann die westliche Begrenzung des „Brandenburgplatzes“ gebildet hätte, wäre eine „inhaltliche Achse“ Preußen entstanden.6 Allein – es ist nie zu der Umsetzung des „Platz 0 23“ gekommen7, so dass heute die Straße des preußischen Generalfeldmarschalls Roon mitten durch ein Viertel läuft, welches an die großen deutschen Musiker erinnert. Unfreiwillig ein Kommentar zu einem Charakteristikum der deutschen Geschichte, - einer Geschichte der Dichter, Denker und Musiker aber auch der Generäle.

Die Bebauung der Brahmsstraße begann mit einem Großen der Krefelder Architekturgeschichte: Karl Buschhüter8. Bereits 1902 erstellte er für den Bauherren Otto Blasberg an der Hohenzollernstraße 37/Ecke spätere Brahmsstraße ein für seinen Stil markantes, großes Wohnhaus, das mit seinem türmchenartigen Balkon wie ein Eingangstor zur östlichen Brahmsstraße wirkt. Nicht viel später, nämlich 1905, wird dann schräg gegenüber von Buschhüter das erste und heute älteste Haus auf der Brahmsstraße gebaut,- quasi als Pendent zum Eckhaus Hohenzollernstraße 37. Bauherr des Hauses (Brahmsstr. 71) war Baron J.W. von Boetzelaer.

Buschhüterhaus Brahmsstraße 71

Dass ein Adeliger der erste Bauherr der Brahmsstraße war, hatte allerdings nichts mit seinem Stand zu tun, sondern mit seiner Integration in die Welt der Krefelder Seidenbarone9. Die weitere Bebauung der Brahmsstraße ist geprägt von diesem Krefelder Großbürgertum, das damals zu ca. 90% aus der Krefelder Samt- und Seidenindustrie stammte.

Buschhüterhaus Brahmsstraße 71 Buschhüterhaus Brahmsstraße 71

Auf alten Fotos wirkt das Haus Brahmsstr.71 wie eine „Wohnburg“, nicht nur durch seine architektonischen Massivität, sondern auch weil zu diesem Zeitpunkt noch kein weiteres Haus auf der Brahmsstraße gebaut war10.

Johannes Brahms im Kreise seiner Krefelder Freunde Johannes Brahms (2. v. l.) im Kreise seiner Krefelder
Freunde
Das änderte sich aber sukzessive in den nächsten Jahren: 1908 wurde das Haus Brahmsstr. 75 (Bauherr Gymnasialoberlehrer Prof. Emil Seebach) fertiggestellt, 1909 das Haus Brahmsstr. 77 (Bauherr Gustav Adolf Scheibler11), 1911 das Haus Brahmsstr.73 (Bauherrin Mathilde de Greiff) und als letztes dieser Reihe - die heute unter Denkmalschutz steht (Ausnahme Nr. 71) - das Haus Brahmsstr. 79, das vom Architekten Peter Frank für den Garngroßhändler Paul Birmes 1923 fertiggestellt wurde. Peter Frank hatte zeitweise eine Bürogemeinschaft mit Karl Buschhüter ohne allerdings dessen eigenwilligen Stil zu übernehmen12. So schließt sich die erste Phase der Bebauung der Brahmsstraße mit einer personellen Querverbindung zu demjenigen, der die ersten beiden Häuser auf der Brahmsstraße baute13.

Fast zeitgleich mit dem Haus des Textilkaufmannes Paul Birmes, Brahmsstraße 79/ Ecke Roonstraße, wird gegenüber auf der östlichen Seite der Roonstraße ein Haus für den Pelzfutterseidenfabrikanten Max Lütten fertiggestellt14, welches heute Teil der Kanzlei „Hohl-Kleinheisterkamp und Partner“ ist, und von keinem Geringeren als dem vielleicht bedeutendsten Architekten Krefelds, August Biebricher, erbaut wurde. Dass Biebricher von Max Lütten 1922 mit der Entwicklung dieses Hauses beauftragt wurde, war wohl kein Zufall, denn 1915 hatte Biebricher das in Sichtweite befindliche Moltke Gymnasium fertiggestellt, bereits die Häuser Hohenzollernstr. 21 und 69 gebaut und war vor allem durch den Bau der Krefelder Rennbahn 1913 berühmt geworden, - und Max Lütten gehörte sicherlich zum Kreis jener Krefelder „Textilbarone15“ , die hervorragende Krefelder Architekten wie August Biebricher, der seinerseits 1883 durch Heirat von Anna Scheibler Teil einer der vielen Krefelder mennonitischen Textilfabrikantenfamilien geworden war, kannten und bezahlen konnten. Max Lütten hatte am 1.12.1921 einen großen Teil des Areals der Grundfläche an der südlichen Seite der Brahmsstraße zwischen der Roonstraße und dem Dürerplatz aus dem Jentges´schen Grundbesitz gekauft16. Eine Eigenart der Verkäufe aus dem Jentges´schen Grundbesitz war, dass der Käufer akzeptieren musste, kein maschinenbetriebenes Gewerbe im Musikerviertel (das zu diesem Zeitpunkt noch komplett der Jentges´schen Grundbesitz GmbH gehörte) zu installieren und bestimmte stilistische Vorgaben zu berücksichtigen17. Also beließ Max Lütten seine Produktionsanlagen in Kempen und pflegte Geselligkeit und Kunstsinn in seinem Domizil in der Brahmsstraße. Ähnlich nämlich wie sein Grundstücksnachbar, der Seidenhändler Richard Merländer, der ein Jahr später seine Villa an der Bockumer Straße ( heute Friedrich-Ebert-Straße 42) errichten ließ, war Lütten ein Verehrer und Sammler von Bildern Heinrich Campendonks. In der 1960 in Haus Lange von Paul Wember kuratierten großen Campendonk Retroperspektive stammten die 3 ältesten Campendonk Werke aus der Sammlung Max Lüttens18. Zudem war seine Frau Gertrud Lütten-Dahl eine künstlerisch ambitionierte Fotografin, von der u.a. sehr alte Aufnahmen von Teilen der Brahmsstraße stammen.

Die Häuser Brahmsstraße 87 und Brahmsstraße 79 wurde also fast gleichzeitig beantragt, geplant und gebaut. Baubeginn war jeweils 1922, Fertigstellung 1923. Dieser Zeitraum ist genau jener der Hyperinflation, die am 15.11.1923 in einer Währungsreform endete. Auf einem Bauschein vom 12.2.1923 für den Kanalisationsanschluss für das Haus Brahmsstraße 79 wurde von der Krefelder „Baupolizei“ eingetragen: „Selbstkosten 200 000 M“! Der Wert von 100 000 Mark betrug im Januar 1923 real – gerechnet nach dem US-Dollar Index19 - noch 23,46 Mark und im Juli 1923 nur noch 1,19 Mark. Dann hätte Paul Birmes für seinen Kanalisationsanschluss, den er ja frühestens Ende Februar bezahlt haben dürfte, „real“ ca. 46,92 Mark bezahlt. Gehörten die Bauherren Paul Birmes und Max Lütten zu dem wenigen „Gewinnern“ der Hyperinflation von 1923? Und waren die Architekten P. Frank und A. Biebricher sowie zahlreiche Baufirmen Krefeld die „Verlierer“? Oder konnte damals ein „Ausgleich“ erreicht werden durch das System des Notgeldes20?

Jedenfalls wurde das nächste Haus auf der Brahmsstraße erst 1929 gebaut, und zwar gegenüber dem Biebricher-Haus, heute Brahmsstraße 90. Am 24.12.1928 hatte Paul Roelen, Prokurist der Verseidag, das entsprechende Grundstück von der „Jentges´schen Grundbesitz GmbH“ erstanden – natürlich mit den entsprechenden Auflagen der GmbH21.

Buschhüterhaus Hohenzollernstraße 37 Buschhüterhaus Hohenzollernstraße 37

1928 aber war eine Art „Urknall“ für das gesamte Musikerviertel! Denn in diesem Jahr „…legte die Jentges´sche Grundbesitz GmbH…einen genehmigten, von ihr ausgearbeiteten Bebauungsplan für ein neues Gartenstadtviertel vor, mit dem sie mittels einer Broschüre warb. Nachdem zuvor lediglich Fluchtlinien aufgestellt worden waren, gilt dieser Bebauungsplan als der erste dieser Art in Krefeld. Das Gebiet zwischen Hohenzollernstraße und Kaiserpark wurde demnach mit großzügigen Straßen- und Platzanlagen überplant, an denen überwiegend exklusivere Wohn- und Villenbebauung vorgesehen war. Die nur wenig abgeänderte Realisierung dieses Projektes und die nahezu vollständige Bebauung dieses Gebietes zog sich bis weit in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hin.22

Bebauungsplan für das Gelände des Jentges'schen Grundbesitzes, 1928 Bebauungsplan für das Gelände des Jentges'schen Grundbesitzes, 1928

Sieht man sich den alten Bebauungsplan von 1928 genauer an, dann löst sich das Rätsel der eigentümlichen 100 m Brahmsstraßen-Allee zwischen dem Dürerplatz und der Jentgesallee: In dem vom Geschäftsführer Wilhelm Jentges jr. eingereichten Plan war die Brahmsstraße als große, langgezogenen Allee(!) vorgesehen – und zwar vom Dürerplatz bis zur Kaiserstraße. 100 m sind offensichtlich verwirklicht worden, der Rest blieb ein rot bekiester „Brahmsweg“, der 1963 dann in „Heydweillerweg“ umbenannt wurde23, und heute ein schöner, begrünter Spazierweg durch den neuen Villenteil des Musikerviertels ist.

An der heutigen Brahmsstraße wurden in den 30er Jahren nur noch die Häuser 86, 101 und zuletzt Nr. 84 erstellt. Im Krieg gab es dann keine Baugenehmigungen mehr für Privathäuser. Der Bauherr des Hauses Nr.84 (Beinecke) hatte allerdings die Baugenehmigung noch kurz vor Ausbruch des 2.Weltkrieges bekommen, so dass das Haus im Kriegsjahr 1940 fertiggestellt wurde. Dieses Haus bekam Bunker ähnliche Kellerräume. Nach Kriegsende residierte der englische Stadtkommandant in diesem Haus für mehr als ein Jahr.

Erst Mitte der 50er Jahren wurde auf der Brahmsstraße östlich der Hohenzollernstraße weiter gebaut. Insbesondere in den 70er Jahren wurden dann die noch freien Grundstücke bebaut. Die bis heute eher lockere Bebauung westlich der Hohenzollernstraße begann in den 60er Jahren. Bis dahin war dort die Gärtnerei Witte und auf dem heutigen Gelände der Bismarckschule das Grünflächenamt angesiedelt. Dass zumindest bis 1930 die Brahmsstraße westlich der Hohenzollernstraße noch gar nicht ausgebaut war belegt eine Luftaufnahme von 1930.

Dirk Peterke

Mit Dank für nachbarschaftliche Hilfe an Lutz Hausmanns, Dr. Klaus Kleinheisterkamp, Iris Kleinheisterkamp-Shore, Dr. Jörn Michels, Dr. Gerd Schnetkamp

 

Fussnoten:

1 siehe Karte

2 aus: Paul Wietzorek, Das historische Krefeld, Bilder erzählen, Petersberg 2008, S.111

3 Dr. Bachem (Stadtbaurat): Krefeld – vom Dorf zur Groszstadt(sic.), ohne Jahr, S.61/62

4 Vgl. zum Folgenden: Georg Opdenberg in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Krefeld / Stadt Krefeld (Hrsg.): Schildbürger und ihre Vorgänger, Geschichte in Straßennamen, Krefeld 2012, S.305

5 Ebd. S.305

6 Das Bismarckviertel hieß ursprünglich Hohenzollernviertel. 1889 wurde durch Max Heydweiller, dem Geschäftsführer der Jentges´schen Grundbesitz GmbH, „… der Anstoß zum Bau des Hohenzollernviertels gegeben, das auf den Feldern des Jägerhofes zwischen der Bismarckstraße und dem Buschgraben (Jentgesallee) entstanden ist, wo Jentges allein Grundbesitzer war.“ Aus: Werner Mohn, Der Wilhelmshof in Bockum, Ein Stück Krefelder Stadtgeschichte im 19./20. Jahrhundert, Krefeld 1986, S. 36. Der Wert des Jentges´schen Grundbesitzes wurde 1899 enorm gesteigert, als der Stadtrat endgültig die Pläne eines Rhein – Maas Kanals begrub, der ursprünglich durch das spätere Bismarckviertel führen sollte.

7 Anscheinend existierte der Plan bis 1936. Aber 1928 begann bereits die Bebauung des vorgesehenen Areals.

8 Sicherlich war Buschhüter als Exponent einer völkischen Ideologie problematisch, aber als Architekt gilt er auch heute noch als außerordentlich kreativ und exzeptionell. Vgl. dazu: Walfried Pohl, Der Krefelder Architekt Karl Buschhüter 1872-1956, Krefeld 1987.

9 Johann Wilhelm (Jan Wellem) von Boetzelar (17.11.1848 – 29.9.1939) stammt aus einer niederländischen Adelsfamilie, wurde als Ingenieur Direktor der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, heiratete 1878 Louise-Erna (Jenny) Heydweiller, die Schwester von Max Heidweiller, der 1880 eine Tochter von Wilhelm Jentges heiratete (Louise „Lilli“ Jentges), und trat 1883 in die Krefelder Samtweberei Gustav Jakobiny ein, womit er sodann Mitglied des Netzwerkes der Krefelder Seidenbarone wurde. Vgl. Die Heimat Nr. 18, 1939, s. 308f

Max Heydweiller - der „Vater“ des Bismarckviertels (s. Anmerkung 6) - stammte aus einer alten reformierten Krefelder Familie, die aus der Pfalz eingewandert war. „Marx Friedrich Heydweiller war am 26. Dezember 1855 als Sohn des Valentin Heydweiller und dessen Ehefrau Jenny geb. von der Leyen geboren worden. Nach seinen Lehrjahren in der Samtbranche und den in Hannover (1876) und London (1877) gesammelten Erfahrungen wurde er Mitinhaber der ursprünglich elterlichen Firma Samtfabrik Gustav Jakobini in der Schillerstraße. Durch die für Krefeld erstmalige Verwendung von billigen Baumwollgarnen anstelle hochwertiger Rohseidenabfälle (Schappe) als Polmaterial gelangte er zu großem Wohlstand.“ Werner Mohn, S. 32. Durch die Heirat mit Lilli Jentges war er ab 1880 mit den bedeutendsten Seidenfabrikanten Krefelds verwandt und übte nicht zuletzt durch die Führung der Jentges´schen Grundbesitz GmbH großen Einfluss auf die Stadtentwicklung Krefelds aus.

10 Das Haus ist im Laufe der Zeit stark verändert worden und im Jahr 2012 komplett saniert worden. Aber der Grundcharakter des Buschhüter Werkes ist erhalten geblieben. Es hat allerdings heute als einziges in der Reihe keinen Denkmalschutz.

11 G.A. Scheibler, geb. 1884, gest.1956 in Luzern, ist 5. Kind von Adolf Robert Scheibler, der 1843 auf Haus Schönwasser in Krefeld geboren wurde und Angehöriger einer der großen Krefelder Textildynastien ist.

12 P. Frank schreibt in seinen Entwürfen durchgehend „Brahm straße“ statt Brahmsstraße, was möglicherweise nicht ganz unüblich war, denn diese Schreibweise findet sich noch in einem Katasterplan von 1933.

13 Der Eingang zum Buschhüterhaus Hohenzollernstr. 37 liegt auf der Brahmsstraße. Und da zu beiden Seiten dieses Hauses 1902 noch keine weiteren Häuser erstellt waren und auch auf der Brahmsstraße 1905 nur das andere Buschhüterhaus stand, kann man sagen, dass mit Karl Buschhüter die Baugeschichte der Brahmsstraße begann.

14 Heute = Brahmsstraße 87, früher = Roonstraße 87

15 Dazu zählte auch die hochangesehen Familie de Greiff, für die Biebricher zuvor die Hohenzollernstraße 21 (Gustav de Greiff) und die Brahmsstraße 73 (Mathilde de Greiff) gebaut hatte; aber auch der Textilunternehmer Albrecht Oetker, dem er 1927/28 die Villa Oetker Hohenzollernstr. 91 schuf.

16 Flur 10/1579, Grundbuch Band 1921

17 So heißt es auch noch 1928 in einem Kaufvertrag zwischen dem Jentges´schen Grundbesitz und einem Käufer an der Brahmsstraße unter Punkt 3: „Die Errichtung gewerblicher Anlagen jeder Art auf dem Kaufgrundstück, insbesondere solcher mit Dampf- oder sonstigem Motorbetrieb ist verboten.“ Und unter Punkt 4 heißt es: „Der Grundstückseigner ist verpflichtet, vor der Errichtung von Gebäuden oder Gebäudeteilen… die Zustimmung des Jentges´schen Grundbesitzes… einzuholen und die Ausführung oder Aenderu

  • Jentges'scher Grundbesitz
  • ng nur nach diesen genehmigten Plänen vorzunehmen.“

    18 S. Ausstellungskatalog : Paul Wember – Heinrich Campendonk, Krefeld 1889 – 1957 Amsterdam, Scherpe Verlag Krefeld 1960, S.77:

    1. Garben am Niederrhein (Öl auf Leinwand, vor 1910),
    2. Baumwiese (Öl auf Leinwand, vor 1910) Rückseite: Bauerngehöft in Wiesen,
    3. Vase mit Pfingstrosen (Öl auf Leinwand 19109 Rückseite. Selbstbildnis.

    19 Vgl. H. Prokasky. Der Erste Weltkrieg und die Inflation 1914-1923, zitiert in: B.Hey u.a., Weimarer Republik und Nationalsozialismus 1918-1945, S. 59

    20„Das 'Notgeld der Crefelder Bankenvereinigung' erschien in sieben Serien im Juli und August 1923 und bestand aus Notgeldschecks, die bei allen Filialen der betreffenden Banken eingelöst werden konnten.“ P. Wietzorek, S. 33

    21 S. Anmerkung 15

    22 Zitat und Graphik aus: Hans Peter Schwanke: Architekturführer Krefeld, Krefeld 1996, S. 40. Ob es eine „wenig abgeänderte Realisierung“ gegeben hat, ist allerdings anzuzweifeln.

    23 Vgl. Schildbürger, S.127