Bismarckplatz

Über Jahrzehnte, von den Anfängen am Ende des 19ten Jahrhunderts bis zur Zerstörung durch den Krieg (und dann die „autogerechte“ Stadtplanung), war der Bismarckplatz ein architektonisches Schau- und gärtnerisches Schmuckstück. Er war zentrales Element der großzügigen Grünanlagen, die aus der Innenstadt in den Stadtwald führten. Wunsch und Ziel der Bürgergemeinschaft ist es, an diese Zeit anzuknüpfen, und dem Platz wieder eine Gestalt zu geben, die zum Aufenthalt einlädt und Freude macht.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen das Schicksal des Platzes in Bildgalerien und Texttafeln vorstellen. Wir beginnen mit der Entstehung und der hohen Zeit des Platzes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den nächsten Monaten zeigen wir dann die Zerstörung des Platzes und wenig später seine erhoffte und angestrebte Zukunft.

Für die freundliche Überlassung der Bilder (alter Postkarten im wesentlichen) danken wir den Sammlern H. Georg Kaiser und Helmut Vinzenz sowie dem Krefelder Stadtarchiv.

Postkarte Bismarckplatz

 

Die Anfänge des Bismarckplatzes

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts scheint das alte Vorhaben, Rhein und Maas durch einen Kanal zu verbinden, kurz vor der Realisierung. Die Planung sieht einen Verlauf 300 m nordöstlich von Cracau vor.

Vor diesem Hintergrund gelingt es dem erfolgreichen Seidenfabrikanten Wilhelm Jentges (1825-1884) im Osten der Stadt günstig ein riesiges Grundstücksareal (über 1000 Morgen) zusammen zu kaufen, den „Jentges'schen Grundbesitz".

Als Ende 1877 der Abwässerkanal von Krefeld nach Uerdingen (unter der späteren Friedrich-Ebertstraße) fertiggestellt ist, sinkt der Grundwasserspiegel im späteren Bismarckviertel um ca. 3 m. Morastiges, fast unbrauchbares Land wird wertvolles Bauland. (Die Preise steigen auf das 15-fache.)

1884, nach dem Tod von W. Jentges, übernimmt Schwiegersohn Max Heydweiller die Verwaltung des Grundbesitzes. Er beginnt seinen Plan zu verwirklichen, den westlich der Kanaltrasse gelegenen Landbezirk in einen Wohnbezirk umzuwandeln. Er braucht das Einverständnis der übrigen Eigentümer, denn anders als östlich der Trasse, sind hier im späteren Bismarckviertel zahlreiche Grundbesitzer beteiligt. Im gleichen Jahr beschließt der Rat der Stadt die Vorlage eines Bebauungsplans für den östlichen Bezirk zwischen Dahler Dyk und Uerdinger Straße.

Am 20. Dezember 1887 wird zum ersten Mal ein Baugesuch Heydweillers genehmigt. Allerdings mit dem Hinweis, dass man mit einer Durchgangsstraße zwischen Uerdinger Straße und Moerser Straße einverstanden sei, an eine Wohnbebauung auf der nordöstlichen Seite der Straße aber nicht zu denken sei.

Nach Protesten wird 1889 ein neuer Bebauungsplan beschlossen„welcher nach Osten mit der sogenannten Bismarckstraße abschließt."Am 30. Juni 1891 erhalten die neuen Straßen die Namen:„Moltkestraße, Moltkeplatz, Bismarckstraße, Bismarckplatz, Moerser Platz, Hohenzollernstraße, Wiedstraße..."

Die Wohnbebauung verzögert sich. 1895/6 stehen am Bismarckplatz erst wenige Häuse - darunter das Kreishaus (Landratsamt/ Ständehaus) - die umgebenden Straßen sind praktisch noch unbebaut. Aber der Naturfreund und Parkliebhaber Heydweiller hatte sie schon zu großzügigen Alleen gestaltet.

Erst 1899, Heydweiller hat Krefeld längst verlassen, setzt sich ein positiver Trend in der Bautätigkeit durch.

Karte Bismarckplatz um 1900 Bestand vom Jahr 1900

Auszug aus Planung Bismarckplatz; Krefelder Baudenkmalstiftung in Deutsche Stiftung Denkmalschutz; Krefeld 1996:

"Bei der Entstehung des Bismarckplatzes zu Ende des vergangenen Jahrhunderts entstand eine Platzsituation, die das Bürgertum sich manifestieren ließ. Die großzügigen Anlagen, die hin aus der Stadt zum Stadtwald führten, waren Ausdruck einer großzügigen Stadtplanung. In alle Alleen wurden Grünanlagen eingeschlossen, die von Einfassungen umsäumt waren. Die Straßen wurden in Granitpflaster, Basaltbordsteine, Natursteinplatten aus „Niedermendiger" Basalt und Bischofsmützen in Abwechslung mit Mosaiksteinen gestaltet, die sich bis in die Vorgärten mit Einzäunungen fortsetzen.

Die Straßenfronten wurden von individuell gestalteten, oft giebelständigen Häusern mit Erkern geprägt. Die Gestaltungselemente der Zeit, die manchmal durchaus auch Versandhauscharakter hatten, verrieten trotzdem eine hohe Qualität im Detail. Die Fassaden mit sensibel gestalteten Holzfenstern unterschiedlichster Art, Form und Größe zeigten Kombinationen aus Naturstein und Klinker, im Wechsel zu Klinker und Putz sowie reinem Klinker."